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Nicht nur die "unerwünschte Zeugin" zeigt darstellerische Klasse


Heimat-Krimi mit klarer Bildsprache.

Von Elzbieta Tittelbach

Archaisch und modern zugleich mutet Asta Scheibs Heimat-Krimi "Die unerwünschte Zeugin" an, den Maria Theresia Wagner ("Die Nacht des Marders") kongenial verfilmte und der heute um 23:15 Uhr in der ARD zu sehen ist.

Passend urbayerisch ist die Besetzung mit Newcomerin Jo Kern ("Sterne des Südens"), der Volksschauspielerin Veronika Fitz, bekannt als "Die Hausmeisterin", und dem dirndltragenden Volksweib par excellence, Christine Neubauer [...]
So grob einige Figuren auch gezeichnet sind, nie triumphiert die Dramaturgie über die Lebendigkeit der Charaktere. Die Bildsprache ist klar, mitunter gelingen Maria Theresia Wagner hübsch hingetuschte Landschafts-Tableaux ohne dabei ins Pittoresk-Geschmäcklerische abzugleiten.
In einem solch klassisch-kernigen Hinterwäldler-Drama richtet sich das besondere Augenmerk auf die Darsteller. Und die sind das ganz große Plus in diesem kleinen Fernsehfilm.
Judith Kernke, die bisher weniger Aufsehen durch ihre Rolle machte als durch die Tatsache, die uneheliche Tochter von Pinkas Braun zu sein, spielt den Wildfang Andrea höchst nuanciert [...]

PRISMA, 15.07.1998
Jo Kern ist heute abend in der ARD "Die unerwünschte Zeugin"

Von Anke Groenewold
Andrea wohnt in einer muffigen Kleinstadt und eckt ständig an. Eines Tages stirbt der reichste Mann des Ortes. Pech für Andrea: Sie war dabei. Jetzt beginnt eine Hexenjagd auf die junge Frau. Ihre einzige Freundin will ihr helfen. Gemeinsam verändern sie ihr Aussehen. Prompt verliebt sich der Sohn des Toten in Andrea.

Die Jungschauspielerin Jo Kern (23) spielt in Maria-Theresia Wagners Film "Die unerwünschte Zeugin" die Rolle der Andrea.
Jo Kern reizen fordernde und ungewöhnliche Rollen, in denen sie ihre Vielseitigkeit zeigen kann. Auf keinen Fall möchte sie auf einen bestimmten Typ festgelegt sein.
Also spielt sie sich quer durch alle Genre und versucht so unterschiedliche Partien wie möglich anzunehmen.
Die Figur der Andrea reizte sie, weil "ich einiges zeigen und mich schauspielerisch weiterentwickeln konnte", sagt Kern. Fünf Wochen haben die Dreharbeiten für die "etwas überdrehte Mischung aus Krimi und Aschenputtelgeschichte" (Kern) gedauert. Eine relativ lange Zeit für eine TV-Produktion.
Für Jo stand schon früh fest, daß sie Schauspielerin werden wollte. "Mit zwölf war es ganz klar" sagt sie. Mit zwölf bekam sie auch ihre erste Rolle. In der Zeitschrift "Gong" hatte der Teenager gelesen, daß ein "normales junges Mädchen" gesucht wurde, das an der Seite von Carl Heinz Schroth spielen sollte.
Die gebürtige Münchnerin ging zum Casting, bekam den Job und siedelte für fünf Wochen nach Hamburg über - für die Schülerin ein aufregendes Erlebnis.
Auf eine Schauspielschule ist die 22-jährige nie gegangen. Nicht, weil sie glaubt, daß sie es nicht nötig hat. Denn das Handwerk will gelernt sein. Kollegen, die behaupten, sie brauchten das alles nicht, findet sie albern. Jo Kern nimmt nebenbei Unterricht um ihre Stimme auszubilden und ihre schauspielerischen Ausdrucksmöglichkeiten zu erkunden.
Inzwischen hat der Jungstar mit der rauchigen Stimme reichlich praktische Erfahrung gesammelt - in Serien wie "Sterne des Südens", "Gegen den Wind" oder "Das Traumschiff", aber auch in TV-Spielfilmen wie Peter Ariels "Die Brüder" oder Kückelmanns "Abgetrieben". Einen ganz glamourösen Kinoauftritt hat die Schauspielerin bis jetzt noch nicht erhaschen können. Aber um jeden Preis will die in Köln lebende Darstellerin auch nicht auf die große Leinwand: "Lieber forme ich in einer Serie interessante Charaktere als in einem Kinofilm fünfmal durchs Bild zu rennen", meint Jo Kern. [...]
Jo Kern ist eine Frau mit vielen Talenten. Musik spiele eine wichtige Rolle in ihrem Leben, erläutert sie. Sie sang in einer Band und spielt nach wie vor Gitarre. Wenn sie sich nicht gerade auf eine Rolle vorbereitet, steht sie vor der Staffelei und malt Ölbilder. Jo Kern ist alles zuzutrauen.

Ostthüringer Zeitung, 15.07.1998
Gespräch: Melitta Ruge

Malen ist fast so reizvoll wie spielen

Gespräch mit Schauspielerin Jo Kern.
Wer sie einmal in einer Rolle gesehen hat, dem bleibt sie im Gedächtnis haften:
Jo Kern gehört zu den Akteuren, die durch ihre Ausstrahlung und ihre Ausdrucksweise überzeugen.
Außerdem zählt sie zu der mittlerweile schon fast altmodischen Schauspieler-Art, die für ihren Beruf leben, und dafür monatelange Vorbereitungen in Kauf nehmen, um wirklich gut zu sein. Mühelos nachzuprüfen heute abend in dem Fernsehfilm "Die unerwünschte Zeugin".
Sie sind erst 23 Jahre jung, aber in ihrem Beruf durchaus schon ein alter Hase. Wie sind sie eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Ich bin von Haus aus vorbelastet, meine Mutter ist Schauspielerin und mein Vater, Pinkas Braun, auch. Schon als Schulkind habe ich Theater gespielt und meine erste große Rolle habe ich mit 12 ergattert - in Carl Heinz Schroths "Ede und das Kind."
Mit 16 spielte ich in "Abgetrieben" und seitdem habe ich Blut geleckt und kann das spielen nicht mehr lassen

In vielen Kino-und Fernsehfilmen waren sie bereits zu sehen. An welchen denken sie besonders gern zurück? 

An welche denke ich besonders gern zurück? Hm, schwer zu sagen, aber sehr interessant war mein Part an der Seite Senta Bergers in "Mein Sohn ist kein Mörder". 

Für den ARD-Fernsehfilm "Die unerwünschte Zeugin" wurde ihnen sogar die Rolle auf den Leib geschrieben. Wie kam es dazu? 

Das war eher ein glücklicher Zufall. Ich habe als Untermieterin in dem Haus gewohnt, in dem auch die Autorin Asta Scheib lebte. Sie hat mich gesehen und zu mir gesagt: Jo, ich schreibe gerade an einem Buch, und das Mädchen, das darin vorkommt, könntest du spielen. Ich hatte diese Begegnung fast schon vergessen, aber zwei Jahre später rief sie mich an und teilte mir mit, daß ich für die Hauptrolle vorgesehen war. 
[..]

Lieben Sie Happy-Ends?
Ein richtig guter Film kommt auch schon mal ohne ein Happy-End aus. Aber wenn es sich folgerichtig ergibt und nicht kitschig wirkt ist es doch schön, wenn am Ende alles gut wird. Ich glaube, jeder Mensch mag lieber einen guten, als einen schlechten Ausgang, egal in welcher Angelegenheit. 

Was wäre eine Traumrolle für Sie?
Ich könnte es mir leicht machen, sagen, "Cinderella" oder so - eine Traumrolle ist für mich von dem Rollenprofil und dem Buch abhängig. 

Was tun Sie, wenn sie nicht drehen?
Musik und Malen. Hauptsächlich grafische Sachen und chinesische und japanische Zeichensymbole. Ich brauche es als Ausgleich. Inzwischen wage ich mich aber auch schon an Porträts. Und Musik spielt schon immer eine wichtige Rolle für mich.